Gute Nacht mit Fridolin – zur Startseite

Folge 62 · 23. September 2026 · 42 Minuten

Das Hackbrett — Saiten unter zwei Schlägeln

Fridolin sitzt auf weichen Wolken unter dem Sternenhimmel und hält ein kleines Hackbrett in den Händen.

Worum es in dieser Einschlafgeschichte geht

Ein flaches Trapez aus Holz, über das viele Metallsaiten gespannt sind, angeschlagen mit zwei kleinen Schlägeln: Diese Einschlafgeschichte folgt dem Hackbrett von seinen frühesten Spuren bis in die Stuben der Alpen – und hört zwischen den Schlägen immer auch ein wenig Stille.

Im Jahr 1447 steht das Wort Hackbrett in einem Ratsbuch der Stadt Zürich, und in Italien hieß das Instrument Salterio tedesco. Die Familie ist groß: Vom steirischen Hackbrett mit seinem Quinten-Steg über das Zymbal mit vier Oktaven bis zum Salzburger Hackbrett, das 1935 das erste seiner Art war.

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Der ganze Text dieser Einschlafgeschichte

4.309 Wörter · rund 22 Minuten zum Lesen, Mitlesen oder Vorlesen

Stell dir eine Stube vor. Es ist Abend geworden … und das Licht ist weich. Auf einem Tisch steht ein Instrument. Es ist flach … breiter als eine Hand … und hat die Form eines Trapezes. Über die Decke laufen viele dünne Saiten … aus Metall … eine neben der anderen. Und daneben liegen zwei kleine Schlägel. Aus Holz. Ganz schlicht. Mehr braucht es nicht. Die Schlägel fallen. Und fallen noch einmal. Und zwischen den Schlägen … ist immer ein wenig Stille.

Was ein Hackbrett ist

Das ist das Hackbrett. Ein Instrument, das man schlägt … und das trotzdem klingt wie etwas ganz Sanftes. Das Hackbrett ist eine Zither. Genauer gesagt … eine Kasten-Zither. Das heißt … die Saiten liegen über einem flachen Kasten aus Holz … und dieser Kasten ist zugleich der Klangkörper. Was das Hackbrett von vielen anderen Zithern unterscheidet … ist die Art, wie der Ton entsteht. Die Saiten werden nicht gezupft … und nicht gestrichen. Sie werden angeschlagen … mit kleinen Klöppeln. Diese Klöppel bestehen aus Holz … und sie können mit Leder oder mit Filz überzogen sein. Je nachdem, wie die Schlägel gebaut sind … klingt das Instrument anders. Heller … oder wärmer … oder runder. Auch die Form ist nicht immer dieselbe. Es gibt Hackbretter in Trapezform … in Halbtrapezform … in Rechteckform … und sogar in Flügelform. Die modernen Instrumente haben meist die Form eines gleichschenkligen Trapezes. Zwei Seiten sind gleich lang … und das Instrument liegt ruhig auf dem Tisch. Darum ist das Hackbrett auch so etwas wie eine kleine Familie. Es gibt viele Formen … in vielen Ländern … und jede klingt ein wenig anders. Und weil der Ton durch das Schlagen entsteht … zählt man das Hackbrett, bei aller Sanftheit, auch zu den Schlaginstrumenten. Es ist ein Instrument zwischen zwei Welten. Zwischen dem Saitenklang … und dem Schlag.

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Schau dir die Decke noch einmal an. Über das Trapez laufen meist zwei Stege. Ein Steg ist eine schmale Leiste … über die die Saiten gespannt sind. Er trägt die Saiten … und er gibt den Ton weiter an das Holz. Pro Ton sind in der Regel zwei … drei … oder noch mehr Saiten gespannt. Man nennt das einen Chor. Ein Hackbrett ist also zwei-chörig … drei-chörig … oder vier-chörig. Wenn ein Schlägel trifft … schwingen immer mehrere Saiten zugleich … und der Ton wird voller. Gestimmt werden die Saiten mit kleinen Wirbeln … Stimmwirbeln … die auf der abgeschrägten Deckplatte sitzen. Man dreht einen Wirbel … und die Saite wird fester … und der Ton wird höher. Und noch etwas kann man mit den Saiten tun. Man kann sie auch mit den Fingern zupfen … ganz so, wie man es von anderen Saiteninstrumenten kennt. Diese Technik heißt Pizzicato. Das ist ein Wort aus der Musiksprache … und es bedeutet einfach … gezupft statt geschlagen. So hat ein einziges Instrument zwei Stimmen in sich. Eine geschlagene … und eine gezupfte.

Frühe Spuren und der gezogene Draht

Und woher kommt dieses Instrument. Das ist eine Geschichte, die weit zurückreicht … und die doch viele Lücken hat. Vor der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts … gibt es kaum Hinweise auf das Hackbrett in Europa. Es könnte aus dem Byzantinischen Reich nach Europa gekommen sein. So sagt es eine Vermutung. Aber es gibt eine Spur, die noch weiter zurückführt. Die älteste bekannte Abbildung … die sich zuverlässig als Hackbrett deuten lässt … findet sich auf einem Elfenbeindeckel. Dieser Deckel gehört zu einem Psalter … einem Gebetbuch … und er wird um das Jahr eintausendeinhundertvierzig datiert. Darauf ist König David zu sehen … der mit zwei kleinen Stöckchen ein trapezförmiges Saiteninstrument schlägt. Ob dieses Instrument wirklich der Vorfahr des europäischen Hackbretts ist … das weiß niemand genau. Die Forscher sind da vorsichtig. Eher wahrscheinlich ist … dass sich das Hackbrett in Europa eigenständig entwickelt hat. Mit derselben Spielweise … aber auf einem eigenen Weg. Und es gibt noch einen Vorläufer, den man kennen sollte. Das Psalterium. Ein Saiteninstrument … das seit dem elften Jahrhundert bekannt war. Das Psalterium wurde eher gezupft als geschlagen … weil es gezupft einfach besser klang. Aus ihm entwickelte sich in Frankreich eine Form … die man doulcemèr nannte. Aber die deutsche Bauform wurde populärer als die französische. Sie setzte sich durch … und aus ihr wurde das Hackbrett, das wir kennen.

Und dann wird die Spur heller. Ein Forscher hat einmal gesagt … die Voraussetzung für ein geschlagenes Saiteninstrument sei ein ganz bestimmter Draht. Nämlich ein gezogener Stahldraht … ein Draht also, den man durch eine Öffnung zieht … bis er dünn und fest wird. Solchen Draht gibt es erst seit dem vierzehnten Jahrhundert. Geschmiedeter Draht war für Musikinstrumente ungeeignet … und Darmsaiten klingen besser, wenn man sie zupft. Das passt gut zu dem, was man sieht. Denn zweifelsfrei belegt ist das Hackbrett seit dem Jahr eintausenddreihundertsiebzig … auf einer Reihe von Darstellungen aus Mitteleuropa. Dort erscheint es als ein langgestrecktes Bassinstrument … zunächst mit nur einer Saite … später mit bis zu drei Saiten. Beim Spielen wurde der Korpus an der Schulter angelehnt. Der Spieler trug das Instrument … wie man ein kleines Brett trägt. Und es hat sich aus einem noch einfacheren Instrument entwickelt … einer Saitentrommel. Die heißt im Französischen tambourin à cordes … eine Saite auf einem langen Körper … geschlagen mit einem Stock. In der Provence wird dieses Instrument auch heute noch gespielt. Der Musiker spielt es mit einer Hand … und mit der anderen Hand spielt er eine kleine Flöte dazu. Aus dieser einfachen Saite … ist über die Zeit das Hackbrett geworden, wie wir es kennen.

Der Name: Dulce Melos und das Ratsbuch von Zürich

Und dann bekommt das Instrument auch seinen Namen. Um das Jahr eintausendvierhundertfünfzig … tauchen die ersten Bezeichnungen auf. In lateinischen Schriften heißt es Dulce Melos … und das bedeutet so viel wie süßes Lied … oder lieblicher Klang. In Frankreich wurde daraus das Wort doulcemèr … und im englischen Sprachraum heißt das Hackbrett bis heute dulcimer. Und im Jahr eintausendvierhundertsiebenundvierzig … steht das Wort Hackbrett in einem Ratsbuch der Stadt Zürich. Das ist ein schönes Detail. Ein Wort … festgehalten in einem Buch der Stadt … wie etwas, das nun dazugehört. Ein Kupferstich aus der Zeit um eintausendvierhundertsiebzig zeigt das Instrument dann schon weiterentwickelt … gespielt von einer Dame höheren Standes. Es hat vier Saiten über zwei Teilungsstegen … und reicht über eineinhalb Oktaven. Das ist nicht viel … wenn man es mit heute vergleicht. Aber es war genug für die Musik jener Zeit. Ein Gelehrter jener Jahre hat es beschrieben … als ein rechteckiges Instrument mit einer Schallöffnung … über dessen Boden Metallsaiten gespannt sind. Wenn man sie mit einem kleinen Stäbchen anschlägt … so schrieb er … ergäben sich die süßesten Töne und Klänge. Und auf einem Altarbild eines niederländischen Malers … aus dem Jahr eintausendfünfhundertzwölf … sieht man schon die Saitenführung, die lange bleiben wird. Die Saiten laufen über die Stege … und durch kleine Öffnungen hindurch. Auf demselben Bild … unten, zwischen den Figuren … spielt ein Engel das Hackbrett. Ein Engel … der die Schlägel hält … als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Und in einem Kloster … im Kloster Himmelkron … gibt es eine Engelsdarstellung mit Hackbrett. Auch dort … ein Engel mit den zwei Schlägeln. So früh schon … hat man das Instrument den Engeln in die Hände gegeben. Das ist ein schönes Bild … für ein Instrument, das klingt wie etwas ganz Sanftes. So wächst das Instrument … langsam … wie etwas, das Zeit hat.

Die Schlägel fallen. Und fallen noch einmal. Und zwischen den Schlägen … ist immer ein wenig Stille.

Auf der Reise: Dulcimer, Santur, Khim, Yang-Qin

Und dann geht das Hackbrett auf die Reise. Es wandert von Land zu Land … und in jedem Land bekommt es ein neues Gesicht. Und einen neuen Namen. In England ist es unter dem Namen Dulcimer seit dem Jahr eintausendvierhundertsiebzig nachweisbar. Im Jahr eintausendsiebenhundertsiebzehn … fasste das englische Dulcimer an der Küste Nordamerikas Fuß. Die amerikanische Variante … der hammered dulcimer … ist seit dem frühen achtzehnten Jahrhundert bekannt. Man verwechselt ihn manchmal mit einem anderen Instrument … dem Appalachian dulcimer. Aber der ist etwas anderes … eine schlanke Zither mit Bordunsaiten … die man in Amerika spielte. Der hammered dulcimer aber ist ein Hackbrett … mit vielen Saiten und zwei Schlägeln. Und weiter nach Osten. Im Persischen heißt das Instrument Santur … und dieser Name ist noch älter als die ersten Abbildungen. Im siebzehnten Jahrhundert wurde der Santur zum ersten Mal dargestellt. Und in den fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts … fand er Eingang in die klassische Musik Nordindiens. In Thailand heißt das Hackbrett Khim. Und in China heißt es Yang-Qin … das bedeutet fremde Zither. Denn nach China gelangte das Instrument wahrscheinlich im achtzehnten Jahrhundert. Vielleicht kam es von Europa … auf dem Weg nach Osten. Eine andere Vermutung sagt … die persische Variante … der Santur … habe den Landweg über Zentralasien genommen. Doch es gibt ein Detail, das dagegen spricht. Beim chinesischen Yang-Qin sitzen die Stimmwirbel auf der abgeschrägten Deckplatte … so wie beim europäischen Hackbrett. Beim persischen Santur aber sitzen sie an der Flanke … an der Seite. So erzählen selbst die Wirbel … von welchem Weg das Instrument gekommen ist. Von China aus wanderte es weiter. Nach Korea … dort heißt es Yanggum. Nach Japan … dort heißt es Sangen Dakin. Und nach Vietnam und Kambodscha … wo man es Khim nennt. So trägt ein einziges Instrument viele Namen. Dulcimer … Santur … Khim … Yang-Qin. Und jeder Name erzählt von einem Land … in dem jemand die Schlägel in die Hand genommen hat.

Das Zymbal und der große Pantaleon

Auch nach Osteuropa ist das Hackbrett gewandert. Dort heißt es Zymbal … oder cimbalom … und es ist zum ersten Mal in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts belegt … in Ungarn. Tragbare kleinere Vorläufer lassen sich dort sogar bis ins sechzehnte Jahrhundert nachweisen. Und im siebzehnten Jahrhundert … brachten Wandermusikanten das Instrument weiter … in die Ukraine … und nach Belarus. Das Zymbal ist ein Hackbrett … aber ein eigenes. Es steht frei auf Füßen … und man nennt es auch das Konzertzymbal. Die Saiten sind chromatisch gestimmt … das heißt … alle Halbtöne sind da … und das Instrument kann in jeder Tonart spielen. Der Tonumfang beträgt vier Oktaven. Und das moderne Zymbal hat ein Pedal. Ein Dämpfungspedal … das die schwingenden Saiten beruhigt … damit die Töne nicht weiterklingen … wenn man es nicht will. Zu einem typischen Zymbal-Trio gehören eine Violine … und ein Kontrabass. Das Zymbal steht in der Mitte … und es trägt die Musik. In Rumänien … in Ungarn … in der Slowakei … und in Südmähren spielt das Zymbal in der Volksmusik bis heute eine bedeutende Rolle. Und im Jahr eintausendachthundertvierundsiebzig … geschah in Budapest etwas Neues. Ein Instrumentenbauer erfand das Pedalcimbalom. Ein Zymbal … in chromatischer Stimmung … mit einem Pedal … und mit einem Saitenaufbau, der an das Salzburger Hackbrett erinnert. Das neue Instrument war in kürzester Zeit sehr erfolgreich.

Und dann gab es einmal ein Hackbrett … das war größer als alle anderen. Am Ende des siebzehnten Jahrhunderts … im Jahr eintausendsechshundertsiebenundneunzig … baute ein Musiker namens Pantaleon Hebenstreit ein Instrument … das man das pantalonische Cymbal nannte. Es war etwa viermal so groß wie ein gewöhnliches Hackbrett. Es hatte einen doppelten Resonanzboden … und es hatte Saiten aus Metall und aus Darm. Hebenstreit war Autodidakt. Er hatte sich das Spielen selbst beigebracht … und er wurde berühmt für sein großes Instrument. Und er war auch der erste, der das Hackbrettspielen lehrte. Ein Schüler wurde ihm vom Kaiser nach Dresden geschickt … und dieser Schüler brauchte fünf Lehrjahre … um das Instrument zu lernen. Fünf Jahre … für ein Instrument, das heute in einer Stube steht. Das ist ein beruhigender Gedanke. Auch das Langsame hat seine Zeit gehabt.

Die Schlägel fallen. Und fallen noch einmal.

Und dann trat das Zymbal auch in die großen Konzertsäle. In der ungarischen Kunstmusik hat es seinen festen Platz. Schon im Jahr eintausendachthundertsechzig … schrieb ein Komponist ein Orchesterstück … in dem das Zymbal mitklingt. Eine Huldigung … so beginnt der Titel des Stücks. Und bald darauf erschien es in einer Oper. In einer ungarischen Oper … aus dem Jahr eintausendachthunderteinundsechzig … als eine Klangfarbe, die man nicht verwechseln kann. Als typisch ungarische Farbe. In einer bekannten Operette heißt es später … die Gräfin Mariza … und auch dort klingt das Zymbal mit. Und in einer Arie … die den Titel trägt … Hör ich Cymbalklänge … wird das Instrument sogar namentlich genannt. Auch Franz Liszt hat es verwendet … in der späteren Fassung seines Ungarischen Sturmmarschs … aus dem Jahr eintausendachthundertsechsundsiebzig. Und in einer viel gespielten Suite … der Háry-János-Suite … aus dem Jahr eintausendneunhundertsiebenundzwanzig … hat das Zymbal einen prominenten Auftritt. Und bis heute schreiben Komponisten für das Instrument. Für Orchester … und für kleine Ensembles. Für das Zymbal allein … und für das Zymbal zwischen vielen anderen Stimmen. Sogar in einem Konzert für Violoncello und Orchester … hat das Zymbal eine solistische Rolle. Und in einem Orchesterstück … das vom Geheimnis des Augenblicks erzählt … klingt es ebenfalls mit. So ist aus dem Brett an der Schulter … ein Instrument der Konzertsäle geworden. Und trotzdem … ist es in den Dörfern geblieben. Beides zugleich.

Vier Formen in den Alpen

Und nun komm ich in die Heimat des Hackbretts … so wie wir es im deutschsprachigen Raum kennen. Denn unter dem deutschen Wort Hackbrett versteht man im engeren Sinn die Formen … die in der alpenländischen Volksmusik zu Hause sind. In Österreich kam das Instrument im Lauf des achtzehnten Jahrhunderts sehr in Mode. In Kärnten … im Salzkammergut … in Osttirol … und in der Steiermark. Dort wurde es gespielt … dort wurde es gebaut … und dort bekam es seine eigenen Formen. Da ist zuerst das steirische Hackbrett. Es ist diatonisch gestimmt … das heißt … es trägt die Töne einer Tonleiter … ohne alle Halbtöne dazwischen. Und es hat zwei besondere Stege. Einen Quinten-Steg … und einen Bass-Steg. Der Quinten-Steg teilt die darüber gespannten Saiten im Verhältnis zwei zu drei. Auf derselben Saite klingt dann rechts ein Ton … und links ein anderer … eine Quinte entfernt. Eine Saite … zwei Töne. Schon ein Bild aus dem Jahr eintausendfünfhundertelf … zeigt ein Hackbrett mit genau diesem Aufbau. Das Prinzip ist alt. In der Tanzmusik spielt das steirische Hackbrett vor allem als Rhythmus-Instrument und als Harmonie-Instrument eine wichtige Rolle. Es gibt den Takt … und es gibt den Klang dazu. Gespielt wird es mit blanken Holzschlägeln … oder mit Schlägeln, die mit Leder belegt sind.

Und dann gibt es das Osttiroler Hackbrett. Es ist diatonisch gestimmt wie das steirische … aber der Korpus ist höher und größer … und die Saiten sind schwerer. Aus Stahl. Und es hat eine besondere Einrichtung. Kleine zusätzliche Stege … man nennt sie Schneller … oder auch Pedale. Mit ihnen kann man einen Saitenchor mit der Hand um einen halben Ton höher stimmen. Ganz schnell … mitten im Spiel. So wächst der Vorrat der Töne … um einen halben Ton nach dem anderen.

Und in der Schweiz gibt es zwei eigene Formen. Da ist das Appenzeller Hackbrett. Bei ihm sind die Saiten durch einen Steg zur Hälfte in Quinten aufgeteilt … und zur Hälfte in Sexten. Und insgesamt sind sie chromatisch angeordnet. Und es wird mit besonderen Klöppeln geschlagen … man nennt sie Ruten. Und da ist das Walliser Hackbrett. Es ist diatonisch gestimmt … mit Quinten-Steg und Bass-Steg … nach demselben Grundprinzip wie das steirische. Aber es hat einen raffinierten Mechanismus. Mit ihm kann man die Länge aller Saiten so verkürzen … dass sie einen halben Ton höher klingen. So ist es ohne weiteres möglich … in allen Tonarten zu spielen. Auch chromatisch. Vier Formen also … in den Alpen. Das steirische … das Osttiroler … das Appenzeller … und das Walliser. Jede mit ihrem eigenen Klang … und jede mit ihren eigenen Schlägeln.

Das Salzburger Hackbrett

Und dann kam noch eine letzte Form dazu. Die jüngste. Das Salzburger Hackbrett. Es ist voll chromatisch gestimmt … und es wurde für die alpenländische Volksmusik entwickelt. Ein Salzburger Volksmusikant hatte um das Jahr eintausendneunhundertzwanzig … bei einem steirischen Holzarbeiter … ein solches Instrument gesehen. Und zusammen mit einem Instrumentenbauer … machte er sich an die Arbeit. Nach dem Vorbild eines alten Osttiroler Hackbretts … das in seinen Besitz kam … und nach Instrumenten, die er in Museen gesehen hatte … baute er das neue Instrument. Das erste Exemplar wurde im Jahr eintausendneunhundertfünfunddreißig hergestellt. Das Salzburger Hackbrett hat keine Teilungsstege … und seine Saiten sind in einer besonderen Ordnung angeordnet … einer sogenannten sechs-plus-sechs-Stimmung. Eine Anordnung … bei der die Saiten liegen wie die Tasten einer Klaviatur. Und statt blanker Holzschlägel hat es Schlägel, die mit Filz belegt sind. Darum klingt es weicher. Und es ist leicht zu tragen. Darum findet es seine Heimat vor allem in der Stubenmusik. Der Hausmusik. Das ist der Ort, an dem das Hackbrett heute am häufigsten spielt. Nicht auf einer Bühne. In einer Stube. Am Abend.

Die Schlägel fallen. Und fallen noch einmal. Und zwischen den Schlägen … ist immer ein wenig Stille.

Komponisten und das Hammerklavier

Auch die großen Komponisten haben das Hackbrett gekannt. Im achtzehnten Jahrhundert … schrieb Antonio Vivaldi eine Partie für das Salterio … so nannte man das Hackbrett in Italien. In einer Arie seiner Oper Giustino … aus dem Jahr eintausendsiebenhundertvierundzwanzig. Und Christoph Willibald Gluck schrieb zwei Hackbrett-Partien … in einer Oper aus dem Jahr eintausendsiebenhunderteinundsechzig. Es gab Konzerte für das Instrument … mit Streichern … und Sinfonien. Das Hackbrett hatte seinen Platz in der Kunstmusik jener Jahre. Und Leopold Mozart … der Vater von Wolfgang Amadeus Mozart … schrieb eine Sinfonie mit dem Titel Die Bauernhochzeit. Im Jahr eintausendsiebenhundertfünfundfünfzig. In dieser Sinfonie ist das Hackbrett vorgesehen … nicht als Soloinstrument … sondern für das bäuerliche Kolorit. Für den Klang einer Dorfhochzeit. Auch eine Drehleier und ein Dudelsack sind dabei. Und dazu schrieb er seinem Verleger … es wäre gut … wenn sie auch ein Hackbrett dabei hätten. Ein kurzer Satz … in dem ein ganzes Instrument weiterlebt. Es gab auch Konzerte … nur für das Hackbrett allein. Mit Streichern … und mit Continuo. Ein Konzert in G-Dur … aus dem Jahr eintausendsiebenhunderteinundfünfzig. Und eine Sinfonie … in derselben Tonart … für das Salterio … mit Streichern und Continuo. Und es gab Sonaten. Sonaten in C-Dur … und in G-Dur … für Hackbrett und Continuo. Geschrieben von Komponisten … deren Musik einmal geklungen hat … in einem Saal … am Abend. In Italien hieß das Instrument Salterio tedesco … wörtlich deutsches Psalterium. Denn in Italien glaubte man … das Psalterium … ein eigentlich gezupftes Instrument … werde nördlich der Alpen vorwiegend geschlagen. Und dann verschwand das Hackbrett für einige Zeit aus der Kunstmusik. Der Grund war eine Erfindung. Das Hammerklavier. Ein Instrument … dessen Mechanik das Anschlagen der Saiten mit kleinen Hämmern übernahm. Was das Hackbrett von Hand tat … tat das Klavier nun mit einer Mechanik. Und das Klavier wurde größer … und bekannter … und das Hackbrett wurde stiller. Aber es verschwand nicht. Es ging dorthin zurück … wo es immer gewesen war. In die Stuben. In die Täler. Zu den Menschen, die es spielten … weil es ihnen gehörte.

Viele Namen, eine Geschichte

Und auch die Namen erzählen eine Geschichte. Das Wort Hackbrett deutet auf zweierlei. Auf die Schlagtechnik … und auf die Bauform. In den Sprachen des Nordens klingt es ähnlich. Hakkebord … hakbord … hackbräde. Hammered dulcimer … das ist die Anglisierung von dulce melos … und es bedeutet lieblicher Klang. Andere Namen deuten auf die Pauken … auf die Trommeln. Tympanon … im Französischen. Und wieder andere deuten auf die Zimbeln … auf die kleinen Becken. Cymbale … cimbalo … cimbalom. Und auch das Wort Cembalo kommt von dort. Von denselben alten Worten … die einmal Becken bedeuteten. So trägt ein einziger Gegenstand viele Namen … und jeder Name ist eine kleine Erinnerung daran … wie man ihn einmal gehört hat.

Die Schlägel fallen. Und fallen noch einmal.

Schulen, Hochschulen und Museen

Und auch das Lernen hat seine Geschichte. Bis ins siebzehnte Jahrhundert … sind keine Hackbrett-Lehrer belegt. Das Instrument wurde weitergegeben … von Hand zu Hand … von einer Stube in die nächste. Im Jahr eintausendsiebenhundertvierundfünfzig … erschien das erste Lehrheft. Es war für das südländische Salterio geschrieben … und es befasste sich nur mit der Technik des Zupfens. Aber diese Technik kam bald außer Gebrauch … und das Heft wurde überflüssig. Im neunzehnten Jahrhundert … wurde die Bedeutung einer guten Pädagogik erkannt. In Amerika erschien ein Lehrwerk für das Dulcimer … in Budapest fügte der Erbauer des Pedalcimbaloms seinem Instrument eine methodische Spielanleitung hinzu … und in London erschien ein Heft … wie man das Dulcimer lernen kann. Um das Jahr eintausendneunhundertzwanzig … wurde in China eine Hackbrettschule gegründet. Sie trug einen eigenen Namen. Und in Belarus … wurde im zwanzigsten Jahrhundert eine Hackbrettschule eingerichtet. Und im Jahr eintausendneunhunderteinundfünfzig … brachte ein Musiker aus Voitsberg … in der Steiermark … ein Schulwerk für das steirische Hackbrett heraus. Eine Hackbrett-Fibel. Eine Anleitung zum Schlagen des steirischen Hackbrettes. Später wurde dieses Schulwerk erneuert und ergänzt … von einem Musiker aus Bärnbach. Und für das Salzburger Hackbrett … erschienen ab den sechziger Jahren mehrbändige Unterrichtswerke. Band für Band … bis in unsere Tage. Ein Münchner Hackbrettdozent … hat solche Werke geschrieben … und später hat seine Nachfolgerin sie weitergeführt. Mit Bänden … für das Schlagen und das Zupfen. Die zwei Stimmen des Instruments … als Unterricht … Band für Band. Auch auf Englisch kamen die Lehrwerke. Im Jahr eintausendneunhundertneunundsiebzig … erschien ein Führer für das hammered dulcimer … für Anfänger und für Fortgeschrittene. Und im Jahr eintausendneunhundertvierundachtzig … erschien ein weiteres englisches Lehrwerk … über das Spiel des hammered dulcimer in der irischen Tradition. Und es gibt heute sogar ein Lehrwerk … das auf dem Hackbrett zum Jazz führt. Vom Silbensprechen zur Jazzmusik … so heißt es … und es ist im Jahr zweitausendzwei erschienen. Von der Hand in die Stube … von der Stube in die Schule. Das ist ein langer Weg … und er ist noch nicht zu Ende.

Und auch an den Hochschulen ist das Hackbrett angekommen. In Budapest … in Minsk … und in Peking ist es Teil des akademischen Lehrbetriebs. In seiner jeweiligen landestypischen Form. Und ebenso in Bayern … und in Österreich. Das Instrument, das einmal durch die Stuben wanderte … hat nun auch seine Lehrstühle. Und auch die Museen bewahren das Hackbrett. In Deutschland gibt es den reichsten Bestand an historischen Hackbrettern in ganz Europa. Das Instrumentenmuseum in Berlin besitzt acht Exemplare. Das Grassi-Museum in Leipzig … sechzehn. Und das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg … einunddreißig Hackbretter … und dazu fünf Paar Schlägel. Einunddreißig Instrumente … an einem einzigen Ort. Jedes mit seiner eigenen Decke … seinen eigenen Saiten … seiner eigenen Geschichte. Das ist ein beruhigender Gedanke. Dass etwas, das so leise ist … so sorgfältig aufbewahrt wird. Dass jemand sich hinsetzt … und die alten Instrumente zählt … und sie behütet … damit ihr Klang nicht verloren geht.

Die Schlägel fallen. Und fallen noch einmal.

Das Hackbrett heute

Und auch in der neuen Musik … ist das Hackbrett nicht verstummt. In den Stammregionen des Instruments … in Ungarn … in Belarus … und in Oberbayern … schreiben Komponisten für das Hackbrett. Für eines allein … für zwei … und für ganze Ensembles. Igor Strawinsky hat das Zymbal verwendet … in seinen Werken für Ensemble. Und Zoltán Kodály … in seiner Háry-János-Suite. Ein Komponist … hat ein Trio geschrieben … für Hackbrett … Klarinette … und Violoncello. Und vierzehn Duette … für Schüler und Lehrer. Und zusammen mit einer Spielerin und einem Instrumentenbauer … wurde sogar ein Kontrabass-Hackbrett entwickelt. Ein Hackbrett … so groß und tief … dass es die tiefsten Töne der Familie trägt.

Und in der leichten Musik taucht das Instrument auf. Eine isländische Sängerin hat sich einmal in einem Lied nur von einem Hackbrett begleiten lassen. Nur die Stimme … und das Instrument. Und in einer alten Krimiserie … trug das Hackbrett die Titelmelodie. Ein Klang … den man nicht vergisst … wenn man ihn einmal gehört hat. Im Jazz hat ein Spieler … das Hackbrett in den Mittelpunkt seiner Musik gestellt. In einem Ensemble … das den Namen trägt … Appenzeller Space Schöttl. Sogar in der Country-Musik ist es zu hören. Auf einem Album … mit dem schlichten Namen Silver … kommt das Hackbrett in einem Lied vor … dessen Titel von Reitern am Himmel erzählt. Und auch Bands … die alte Klänge mit neuen verbinden … holen das Hackbrett hervor. Auf einem Akustik-Album … aus dem Jahr zweitausendneun … klingt es mit … und in einer mittelalterlich geprägten Band … gehört es fest dazu. Und es gibt sogar ein elektrisch verstärktes Hackbrett. Ein Instrument … das man an einen Verstärker anschließt … wie eine Gitarre. So leise das Hackbrett von sich aus ist … so weit kann sein Klang reichen … wenn man ihn trägt. So geht das Instrument weiter. Von Stube zu Stube … von Land zu Land … von Abend zu Abend.

Zurück in die Stube

Und nun komm ich zurück in die Stube. Das Licht ist noch weicher geworden. Die Saiten schwingen noch leise nach. Das Hackbrett steht auf dem Tisch … das Trapez aus Holz … die vielen Saiten … die zwei Schlägel daneben. Ein Instrument … das geschlagen wird … und das doch klingt wie etwas ganz Sanftes. Das durch die Jahrhunderte gewandert ist … vielleicht von weit her … bis in die Alpen … von der Saite an der Schulter bis zum Instrument auf dem Tisch. Das viele Namen trägt … und viele Klänge. Und das doch immer dasselbe geblieben ist. Ein flacher Kasten … ein paar Saiten … zwei Schlägel. Und die Stille dazwischen. Die Schlägel fallen. Und fallen noch einmal. Und zwischen den Schlägen … ist immer ein wenig Stille. Und du darfst jetzt schlafen. Alles ist an seinem Platz. Die Saiten … die Schlägel … und du. Gute Nacht. Schlaf gut. Bis morgen Abend.

Quelle und Lizenz

Dieser Text beruht auf den Wikipedia-Artikeln «Hackbrett» und «Zymbal». Die Artikel stehen unter CC BY-SA 4.0; dieser bearbeitete Text steht unter derselben Lizenz.

Verwendete Fassungen: «Hackbrett» Version 268984856, abgerufen am 28. August 2026 und «Zymbal» Version 267475481, abgerufen am 28. August 2026.

Der Text wurde automatisch erstellt, gegen die Quelle geprüft und von einer computergenerierten Stimme vorgetragen – deshalb gibt es jeden Abend eine neue Folge. Verantwortlich für Themenauswahl und Stichproben ist Michael Feer. Mehr dazu unter Über Fridolin und Lizenz & Quellen.